LIFE bringt Leben in die Salzachauen

LIFE ist ein Förderprogramm der Europäischen Kommission, das sich voll und ganz dem Natur- und Umweltschutz und der Bekämpfung des Klimawandels widmet. Von 2015 bis 2021 wurden die Salzachauen im Rahmen eines LIFE-Projekts renaturiert. Renaturieren bedeutet, vom Menschen stark veränderte Bereiche wieder so umzugestalten, dass möglichst der ursprüngliche natürliche Zustand wieder hergestellt wird. Dadurch werden wieder Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen geschaffen.

In den Salzachauen wurden viele und besonders aufwändige Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt.

Mit Maschineneinsatz zur Renaturierung
© Christian Ragger

Für die Natur gebaggert

Der Ausee in der Weitwörther Au ist ein Eldorado für Wasserinsekten, Wasserpflanzen, Fische und Vögel. Das war vor dem LIFE-Projekt nicht so. Der vor langer Zeit durch Schotterabbau entstandene See wurde als Fischteich genutzt, nicht heimische Fische wurden eingesetzt und an den Ufern standen zahlreiche Hütten. Die Tier- und Pflanzenwelt im See war eintönig, denn an den steilen Ufern konnten sich keine Wasserpflanzen ansiedeln. Für viele Wassertiere sind Wasserpflanzen aber wichtige Verstecke und Brutplätze. Damit im Ausee ein natürliches, buntes Treiben herrschen kann, haben Bagger im Rahmen des LIFE-Projekts viele tausend Kubikmeter Sand und Kies bewegt und flache Ufer gestaltet, in denen nun das Wasserleben gedeiht.

Schauen Sie sich im Zeitraffer an, was die Bauarbeiten alles bewegt haben:

Kinderstuben

Tümpel und flache Seeufer sind die Geburtsstätten vieler Tiere. Amphibien verbringen hier ihre Kindheit, aber auch Insekten wie Libellen und Eintagsfliegen leben als Larven im Wasser. Im Zuge des LIFE-Projekts wurden dreizehn flache Tümpel angelegt, die umgehend besiedelt und als Laichgewässer genutzt wurden. Vor der Anlage der Tümpel wurden in den Salzachauen sieben rufende Laubfroschmännchen gezählt. Ein Jahr danach waren es schon 57, also mehr als achtmal so viele. Auch die Anzahl der Springfrösche hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht.

© Christian Ragger
© Christian Ragger
© Christian Ragger

Neuer Auwald entsteht

Lange Zeit prägten angepflanzte Fichtenwälder weite Teile der Weitwörther Au – ein ungewöhnliches Bild, da Fichten in Auwäldern natürlicherweise nicht vorkommen. Auch beherbergen sie fast keine Lebensräume für die typischen Tierarten der Au. Daher wurden im LIFE-Projekt elf Hektar Fichtenwälder gerodet und wieder in natürliche Auwälder rückverwandelt. Das geschah, indem sich teilweise heimische Auwaldbäume über Samen selbst ansiedelten, teilweise wurde mit der Pflanzung von jungen Auwaldbäumen nachgeholfen - insgesamt 14.000 Stück! Fichte sind hier nun Geschichte - und typische Baumarten der Au wie Silberweide, Grauerle, Schwarzpappel und Stieleiche können wieder wachsen.

© Christian Ragger
© Christian Ragger

Überschwemmung erwünscht

Typische Pflanzen des Auwalds kommen gut mit regelmäßigen Überflutungen zurecht. Bleiben diese aus, können sich anspruchsvollere Pflanzen ansiedeln, die langsam die Aupflanzen verdrängen. Der besonders artenreiche Auwald verschwindet. Wegen der früheren Begradigung und Eintiefung der Salzach gab es in den Salzachauen diese jährlichen, kleineren Hochwässer aber nicht mehr.

Auf acht Hektar, wo zuvor eintönige Fichtenforste standen, wurde das Gelände daher im LIFE-Projekt um mehrere Meter abgegraben. Diese Flächen werden jetzt vom Reitbach mehrmals im Jahr überschwemmt. Hier entwickelt sich wieder eine echte „Weiche Au“ mit Pappeln, Weiden und Grauerlen. Das Material, das dabei anfiel, wurde gleich zur Bildung der Flachufer am Ausee verwendet - eine ökologische Win-win-Situation.

Schauen Sie sich im Zeitraffer ein Hochwasser am Reitbach an:

Natur erlebbar machen

Auch an die Besucher wurde gedacht. So wurde rund um den Ausee der barrierefreie Auenerlebnisweg angelegt - mit liebevoll gestalteten Informationstafeln samt lustiger Cartoons. Ein Vogelhide am Ausee ermöglicht die Beobachtung der Vogelwelt, ohne sie zu stören. Über einen Stichweg kommt man bis an die Salzach, wo man von einer neuen Plattform einen tollen Rundumblick genießen kann. Zudem wurden die Wege in der Au durchgängig beschildert. In der Irlacher Au, ganz im Norden des Natura 2000-Gebiets, informiert der komplett neu gestaltete Vogellehrpfad über die dortige Vogelwelt.

© suske consulting
© Christian Ragger
© Christian Ragger

Barocke Relikte

Die schnurgeraden Wege mit den Resten alter Eichenalleen in der Weitwörther Au sind Relikte eines barocken Jagdgartens aus dem 17. Jahrhundert. Dem damaligen Ideal entsprechend wurden durch den Wald lange, schnurgerade Schneisen, sogenannte Durchschläge, geschlagen. Entlang der Durchschläge wurden Eichenalleen gepflanzt. Das Wild wurde von den Eicheln auf die Durchschläge gelockt und konnte dort bequem erlegt werden.

Die imposanten Eichenalleen waren in den vergangenen Jahrzehnten lückig geworden. Im LIFE-Projekt wurden zahlreiche kleine Allee-Eichen nachgepflanzt und die Lücken geschlossen.

© Christian Ragger

Jagd ganz anders

Rehe, Wildschweine und Hasen müssen in der Salzachau noch immer erlegt werden, da natürliche Feinde fehlen. Ohne Jagd würden die Tiere immer mehr werden und junge Bäume abbeißen oder beschädigen. Der Wald könnte sich nicht mehr verjüngen. Im Rahmen des LIFE-Projekts hat das Land Salzburg in der Weitwörther Au das Jagdrecht erworben. Seitdem wird hier statt der früheren Trophäenjagd ein gezieltes Wildtiermanagement betrieben. Dabei wird darauf geachtet, dass es nur so viele Rehe, Wildschweine und Hasen gibt, wie der Wald vertragen kann.

Die Jagd auf Wasservögel wurde ganz eingestellt. Wasservögel können nun das Vogelparadies gefahrlos genießen.

Impressionen von den Renaturierungsarbeiten

© Christian Ragger